Fertigungsindustrie: 5 Schlüsselfaktoren, um KMUs smart zu digitalisieren

, 3 Min. Lesezeit

Dieser Artikel wurde ursprünglich als Gastbeitrag auf Soley.io veröffentlicht.

Die Digitalisierung begegnet uns in Unternehmen der Fertigungsindustrie in vielen Bereichen: in der Produktion, der Verwaltung oder im Außendienst.

Man könnte meinen, Digitalisierung ist zum Business-Mainstream geworden. Da ist mit Sicherheit etwas dran. Allerdings gibt’s auch Organisationsbereiche, deren digitaler Reifegrad deutlich höher sein könnte.

Dabei denke ich speziell an die vielen KMUs der Branche. Schon immer waren sie die treibende Kraft für Innovation – „produzieren“ mehr davon als sie selbst adaptieren. Doch in punkto Digitalisierung entdecken viele Fertigungsunternehmen erst nach und nach, dass die digitalen Möglichkeiten weit über das Thema Industrie 4.0 hinausgehen.

Laut der Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand“, durchgeführt von techconsult für die Telekom Deutschland, liegt der Status quo bei 56 von 100 Punkten. Das ist nicht schlecht, bietet allerdings auch noch viel Luft nach oben.

Bleibt die Frage, wie „Nachzügler“ diese Aufgabe lösen können?

Digitalisierung anpacken, dann aber richtig

Eines steht außer Frage und das trotz hartnäckiger Vorurteile: Der Mittelstand hat die Bedeutung der Digitalisierung längst erkannt. 72% der befragten Unternehmen bewerten das Thema als wichtig bis sehr wichtig. Bei 63% ist Digitalisierung sogar Chefsache.

Dennoch, die „Umsetzungsbremsen“ im Geschäftsalltag sind zahlreich. Das eine Mal ist es ein Kunde, der kurzfristig einen dringenden Auftrag platziert. Ein anderes Mal ist es ein Engpass bei den Ressourcen. Und zu guter Letzt kann es auch Mal vorkommen, dass man nicht so richtig weiß, wo und wie man anfangen soll.

Vor diesem Hintergrund bleiben die Ergebnisse von Digitalisierungsinitiativen nicht selten hinter den gesetzten Erwartungen zurück.

Als Impuls möchte ich fünf Schlüsselfaktoren aufführen, um KMUs in der Fertigungsindustrie smart zu digitalisieren:

1. Digitale Transformation ganzheitlich verstehen und angehen

Die digitale Welt ist vor allem eines: vernetzt. Wer in diesem Umfeld sein Geschäft erfolgreich aufbauen will, muss vor allem ganzheitlich denken. Insellösungen sind schnell realisiert, haben aber langfristig keine Chance. Ein Grund mehr, warum Digitalisierung über den reinen Technologie-Aspekt hinausgeht. Es ist wichtig, (Daten-)Silos aufzulösen, Prozesse neu auszurichten und vor allem Menschen mitzunehmen. Alles ist vernetzt, alles ist im flow – von der Beschaffung und Produktion über Vertrieb, Marketing und Service bis hin zu HR und Mitarbeiter-Recruiting.

2. Kunden ins Zentrum rücken, nicht das eigene Unternehmen

Der Wandel von einer unternehmenszentrierten zu einer kundenzentrierten Organisation ist kein einfacher, aber ein essentieller Schritt. Denn mit der Digitalisierung haben sich nicht nur die Märkte verändert, sondern vor allem auch die Kunden. Ihr Verhalten ist stark dynamisch geprägt. Das merkt man schon allein daran, dass ihre Bedürfnisse immer individueller werden (Stichwort: Losgröße 1). Und sie auf den verschiedensten Kanälen mit Unternehmen in Kontakt treten. Es ist wichtig zu verstehen, was Kunden in der digitalen Welt unter Mehrwert verstehen und was ihre Erwartungen sind, um die Organisation sowie ihre Prozesse daran auszurichten.

3. Digitalisierung von ganz oben vorantreiben

Neben der Implementierung ist Digitalisierung ein Leadership-Thema. Das gilt für große wie für kleine Unternehmen. Über Technologie und Prozesse hinaus, geht es vor allem um Menschen: Mitarbeiter, Kollegen, Kunden und Partner. Es gilt, sie alle für die Veränderungen zu begeistern. Denn sie prägen den Erfolg (oder Misserfolg) einer Digitalisierungsinitiative. Es ist essentiell, dass die Digitale Transformation vom CEO vorangetrieben wird – konsequent. Digitalisierung beginnt ganz oben und stets mit einer klaren Geschäftsstrategie.

4. Bauchentscheidungen durch Echtzeit-Analytics ersetzen

„Wir wissen genau, was unsere Kunden wollen.“ Doch ist das wirklich so? Ich selbst habe in vielen Transformationsprojekten erlebt, wie weit der Bauch danebenliegen kann. Mit dem Einsatz von Analytics lassen sich z.B. Up- und Cross-Selling-Potenziale im Vertrieb schneller und gezielter realisieren. Oder die Komplexitätskosten des Produktportfolios senken, um Ressourcen optimal auf profitable Produktvarianten auszurichten. Das Bauchgefühl wird im Geschäftsalltag auch in Zukunft „mitreden“. Es ist allerdings clever, ihn mit den richtigen KPIs über die gesamte Wertschöpfungskette zu unterstützen 😉

5. Starten, lernen und agil umsetzen

Die schlechteste Entscheidung ist, sich nicht zu entscheiden. Das gilt auch für die Digitalisierung. Denn wer zu lange wartet, hat’s später deutlich schwerer. Zum einen muss er die Zeit aufholen, die ihm Wettbewerber bereits voraus sind. Das kann dann richtig teuer werden. Zum anderen sind die besten Leute bereits vergeben. Der „War for Talents“ ist ja schon jetzt in vielen Branchen erlebte Realität.

Deshalb: Loslegen! Jetzt!

Das große Ganze im Blick. Die Teilprojekte agil realisiert. Mit echter Silicon Valley Mentalität: schnellem Feedback von allen Seiten – von Mitarbeitern, Kunden und Partnern – um die besten Produkte und Services zu entwickeln. Und um digitale Geschäftsmodelle erfolgreich zu etablieren.

Wer Erfahrungen oder Ideen austauschen möchte, kann mir gerne schreiben. Ich freu mich drauf!

Image source: Zapp2Photo/Shutterstock.com